Genuß,  Tee

Tea Time II: Wie aus dem Wasserkessel eine Teekanne wurde

Kennt ihr diese wunderschönen gusseisernen Teekannen, die man im Teeladen für teures Geld kaufen kann? Hast Du so ein Schätzchen vielleicht bei Dir zuhause?

Was würdest Du sagen, wenn ich Dir mitteilen würde, dass dies eigentlich ein Fake ist?

Der Ursprung dieser gusseisernen Kannen ist Japan, nach und nach wurde die Kannen auch in China und Korea hergestellt.

Originale gusseiserne Teekannen sind Wasserkessel

Original gusseiserne Kannen sind nur zum Wasserkochen da. Sie sind nicht emaliert, da das Eisen in der Kanne mit dem Wasser während des Erhitzens reagiert und somit das Wasser mit Eisen anreichert, was vom menschlichen Körper sehr gut aufgenommen wird.

Die gusseisernen Wasserkessel findet man in japanischen Küchen immer nahe dem dem Gasherd, schnell in Griffreichweite, um heisses Wasser für den Tee zuzubereiten.

Viele Haushalte sind mittlerweile auf Elektrokocher umgestiegen sind, aber was Tee angeht, das ist etwas anderes. Da findet man diese Kessel immer noch.

Eine Verwechslung mit Folgen

Als der Westen in den 60-er Jahren anfing aus China und Japan unterschiedliche Produkte zu importieren, war die große Frage, was man am Besten mit den Wasserkesseln machen sollte, denn durch den Transport wurden sie innen feucht und konnten schnell korridieren. Das sollte natürlich nicht passieren.

Somit bat man die Hersteller die Kessel innen zu emaillieren. Es war also eine reine Vorsichtsmaßnahme für den Transport.

Im Westen angekommen, war jeder entzückt von den wundervollen Kannen – die konnten natürlich nur etwas Besonderes sein.

Wie dann das Missverständnis aufkam, weiss keiner mehr, aber ich kann mir vorstellen, dass das so gelaufen sein kann:

“Guten Tag, Sie haben ja da eine wunderschöne Kanne – wofür benutzt man die denn?”

“Ja, werte Dame, das ist unser neuster Importschlager aus Asien – ganz erlesene Handwerkskunst, ist zum Teemachen da.”

Und schon wurde die Kanne mitgenommen und Tee darin aufgebrüht, ein Missverständnis, welches einen neuen Trend in die andere Richtung auslöste.

Und ab gehts zurück zum Ursprung- wie aus dem Kessel eine Teekanne wurde

Der Osten war anfangs etwas irritiert, als er erfuhr, was der Westen mit den Wasserkesseln anstellte. So ein großer Kessel voll mit Tee?! Wie kann man Tee nur so trinken?

Hierbei sei nochmals darauf hingewiesen, dass die Teekultur sich zwischen dem Westen und Osten komplett unterscheidet.

In China und Japan werden kleine Portionen des Tees aufgebrüht und dann in kleineren Schalen getrunken. Hier geht es auch um das Genießen mehrerer Aufgüsse.

Teegenuß ist dort einfach anders, denn das Teetrinken ist ein Ritual, was etwas was tiefer geht wie wir Westler es kennen.

Es waren übrigens die Holländer, die Tee zum ersten Mal 1644 nach England brachten und nun ratet mal, wer das erste Teegeschäft 1717 in London eröffente? Ein Herr namens Thomas Twinings. Aber das nur am Rande.

Deutsche Teekultur

Die ostfriesische Teekultur haben wir ebenfalls den Holländern zu verdanken, die zwischen 1650 und 1720 den Teehandel mit den Ostfriesen ausbauten. .

Diese deutsche Teezeremonie (Teetied) sieht natürlich anders aus, wie in Asien. Es werden schöne große Teekannen mit 1 – 1,2 liter Füllmenge benutzt. Ein guter Darjeeling oder Assam Tee, ist einfach was Feines, vorallem wenn man ihn zusammen mit Sahne und leckeren Keksen und den berühmten Kluntje (Kandiszucker) geniessen kann.

Kleine Kannen machen für uns gar keinen Sinn.

Es wäre für Asiaten ein Verbrechen, wenn man sich in einer 1 liter Kanne grünen Tee aufbrühen würde, die meisten würden direkt einen Herzinfarkt erleiden. Ich übrigens auch… aber das nur am Rande.

Wusstest Du, dass die ostfriesische Teekultur 2016 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbe der UNSECO aufgenommen wurde?  Super, nicht wahr?

Aber zurück zu dem verwirrten Osten…

Wie der Kessel eine Teekanne blieb – ein Bumerang Effekt

Warum es möglich war den Wasserkessel als Teekanne zu nutzen war die Emaillierung. Am Ende war es so möglich Tee direkt in der Kanne zuzubereiten.

Eigentlich keine schlechte Idee befand der Osten und schon fingen die Asiaten an in den emaillierten Kannen ihren Tee direkt aufzubrühen. Sehr praktisch, befanden sie.

Das Handwerk passte sich an die Teekultur an und stellte kleinere gusseiserne Teekannen mit Teesieb her, damit  der Tee traditionell genossen werden konnte.

Und schon war die Teekultur um etwas reicher, was als Verwechslung begann.

Umgang mit emaillierten gusseisernen Teekannen

Möchtest Du Dir eine gusseisernes Teekanne anschaffen, solltest Du wissen, dass Du keinen Früchtetee oder früchtehaltige Tees darin zubereiten solltest. Diese enthalten Säuren, die die Oberfläche der Kanne angreifen, zumal der Kannenhals meist nicht emailliert ist.

Die Kanne kann leichte Roststellen aufweisen. Das ist normal und ist gesundheitlich unbedenklich.

Nach dem Gebrauch solltest Du sie mit klarem Wasser reinigen und mit einem Baumwolltuch innen wie aussen trocknen, um möglichst lange Freude daran zu haben.

Kaufe Qualität, kein Billigimport. Eine gusseiserne Teekanne hast Du bei guter Pflege Dein ganzes Leben und darüber hinaus. Deswegen solltest Du ein bisschen mehr Budget haben, um die perfekte Kanne zu finden.

Meine persönliche Empfehlung ist auch, sich eine kleine Kanne, besten mit 0,5 l Fassungsvermögen zu kaufen, um Tee wirklich genießen zu können.

Da wirst Du viel suchen müssen, denn bei uns in Deutschland liebt man es groß. Ich selbst habe eine 0,7 l Kanne im deutschen Handel gefunden, kein Import, damit kann ich aktuell ganz gut leben, aber ich hätte gerne eine kleinere.

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